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„Ran an die Baustellen!“

Lothar Geisler zu „25 Jahre Neue Impulse Verlag“

Ein Interview in der UZ vom 09. Januar

Logo der UZUZ: Vor 25 Jahren wurde – kurz nach dem „Mauerfall“ und mitten im Zusammenbruch der DKP-nahen Verlage, Druckereien und auch des hauptamtlichen Parteiapparates – der Neue Impulse Verlag gegründet …

Lothar Geisler: Es ist vor allem der politischen Weitsicht und den organisatorischen Fähigkeiten von Kurt Steinhaus zu verdanken, dass mitten im Zusammenbruch mit klarem Kopf Weichen für die Zukunft gestellt wurden. Er sah im Erhalt der Marxistischen Blätter eine strategische Aufgabe nicht nur für die DKP. Die Gründungsgesellschafter, das waren Willi Gerns, Robert Steigerwald, Kurt Steinhaus und ich, sollten als Personen demonstrativ für Kontinuität und Traditionslinie der Zeitschrift stehen – nicht zuletzt, weil die Zukunft der DKP 1989/90 so ungewiss war. Kurt Steinhaus war Kopf und Motor dieser Gründung, mit der wir bis heute die Zeitschrift erhalten und uns kollektiv den neuen Herausforderungen stellen konnten, auch nach dem viel zu frühen Tod von Kurt Steinhaus 1991.

UZ: Wird dieses Jubiläum ähnlich gefeiert wie der 50. Geburtstag der Marxistischen Blätter Ende 2013?

Lothar Geisler: Auf gar keinen Fall – dafür haben wir zu viele brachliegende Baustellen, d. h. zu viel Arbeit ist mit zu wenig ehrenamtlichen Kräften zu bewältigen. Unser Geburtstagsmotto 2015 ist vielmehr: „Ran an die Baustellen“. Abgesehen davon wollen wir in 2015 lieber wichtigere „runde“ Geburtstage feiern, z. B. den 90. Geburtstag von Robert Steigerwald. Aus diesem Anlass organisieren die Marxistischen Blätter, die Marx-Engels-Stiftung und der Parteivorstand der DKP am 21. März eine Konferenz in Eschborn. Den Termin sollte man sich schon mal vormerken.

UZ: Wie ist denn die Lage des Verlages zu seinem Jubiläum bzw. was sind die Baustellen, die bearbeitet werden müssen?

Lothar Geisler: Ganz grob – die Zeitschrift steht relativ stabil da. Die MacherInnen sind zwar auch alle 25 Jahre älter. Wir haben erfahrene Leistungsträger verloren und noch nicht genug  jüngere LeistungsträgerInnen in der täglichen Arbeit entwickeln können. Aber die Abo-Entwicklung der Marxistischen Blätter macht uns derzeit die wenigsten Sorgen. Sie war in den letzten fünf Jahren ziemlich stabil, aber ohne nennenswertes Wachstum. Eine schwarze Null nennt man das wohl, wenn die Neuzugänge jährlich knapp über den Abo-Kündigungen liegen. Die Einzelheftbestellungen schwanken je nach Schwerpunktthema zwischen 60 und 250 Exemplaren. Unser Problem ist auf diesem Feld, dass zu wenige überzeugte LeserInnen der Marxistischen Blätter in ihrem persönlichen Umfeld aktiv Hefte verkaufen oder AbonnentInnen gewinnen. Die Masse der Neu-Kontakte und Bestellungen resultieren aus Werbeanzeigen, redaktionellen Hinweisen oder Vorabdrucken in anderen Publikationen. Bei zu vielen politischen Veranstaltungen, Tagungen, Konferenzen etc. sind wir mit der Zeitschrift nicht präsent. Hier brauchen wir mehr Mitarbeit engagierter LeserInnen, die Werbematerial verteilen und  Probehefte anbieten. Hier setzt auch unsere neue Geburtstagskampagne an, mit der wir insbesondere AbonnentInnen überzeugen wollen, neue AbonnentInnen zu gewinnen. Fest steht allerdings: Mit den derzeitigen Abo-Einnahmen werden wir den Redaktions- und Verlagsbetrieb nur ehrenamtlich aufrechterhalten können, d. h. in den kommenden Jahren müssen wir unser zweites finanzielles Standbein, den Buchverkauf, deutlich stärken.

UZ: Welchen Stellenwert hat der Buchverkauf, wie hat er sich entwickelt?

Lothar Geisler: Der Buchverkauf muss wieder unser zweites Standbein werden. Und zwar in zweierlei Hinsicht. Wir haben in der Vergangenheit wichtige Bücher rausgebracht – vor allem zu weltanschaulichen Grundfragen – die auch zur finanziellen Unterstützung der Zeitschrift beigetragen haben. Da müssen wir wieder hinkommen und regelmäßiger  mit eigenen Büchern in Debatten eingreifen. Das wird auf längere Sicht der schwerste Part, hier ein eigenes Profil als marxistischer Buchverlag zu entwickeln, wenn man sich die Szene anguckt, die eigenen Ressourcen und die der anderen.  Aber wir packen’s 2015 erneut an mit neuen Büchern in der Edition Marxistische Blätter. Wichtiger ist derzeit aber unser Versandhandel mit Büchern, CDs, DVD. Wir wollen und müssen zum Haus- und Hoflieferant aller DKP-Mitglieder, SDAJ’lerInnen, UZ-LeserInnen und MBl-LeserInnen werden. Davon sind wir noch weit entfernt. Da liegen deutliche Reserven. Bis zum Jahr 2007 waren die jährlichen Umsätze aus dem Buchversand ähnlich hoch wie die Abo-Einnahmen, nämlich durchschnittlich 100 000 Euro, in „Pressefestjahren“ sogar höher. Der Buchversand war bis dahin ein echtes zweites Finanzstandbein, das uns u. a. ein Minimum an Hauptamtlichkeit ermöglichte.  Bis heute ist dieser Umsatz um knapp die Hälfte gesunken.

UZ: Woran liegt das?

Lothar Geisler: Das hat sehr unterschiedliche Ursachen, ist also nicht bloß ‚hausgemacht‘, wenn ich da an die anhaltende Wirtschaftskrise denke. Die Zunahme des Direktvertriebs linker Verlage über‘s Internet hinterlässt da ebenso Spuren, wie die diversen Internet-Shops von Amazon bis Junge Welt.  Damit können wir – zumal ohne bezahltes Personal – kaum konkurrieren. Zudem lag unser – sowieso schon etwas angestaubter – MB-Shop aus personellen Gründen jetzt gut ein Jahr brach und wir haben über Bücheranzeigen in der UZ und in den Marxistischen Blättern weniger Angebote gemacht. Das war nicht gerade umsatzfördernd.

UZ: Was wird da im Buchversand jetzt anders? Wie sollen die Reserven mobilisiert werden?

Lothar Geisler: Wir werden uns wieder um regelmäßigere Buchempfehlungen in UZ und Marxistischen Blättern bemühen, vor allem im Weihnachtsgeschäft.  Aber wichtiger ist: Wir sind jetzt endlich mit einem neuen, professionellen Shopsystem online, auf der Webseite der Marxistischen Blätter unter dem Reiter „BESTELLSERVICE“ zu finden.  Mit diesem neuen Shopsystem ist es sehr viel einfacher, jeden x-beliebigen lieferbaren Titel – auch CD’s, DVD und Spiele – zu finden und bei uns zu bestellen. Nicht nur die von GenossInnen empfohlene linke Literatur oder die in UZ, MBl, Neuen Deutschland (ND) oder Junge Welt  rezensierten Bücher, sondern jedes lieferbare Buch. Wir haben einige Steuerberater, Rechtsanwälte, KindergärtnerInnen, LehrerInnen, ÄrztInnen, die wirklich alles – auch das, was sie beruflich brauchen – bei uns bestellen. Das sind echte A-Kunden! Die einfache Rechnung ist: der bundesdeutsche Pro-Kopf-Verbrauch für Bücher liegt bei durchschnittlich 120 Euro im Jahr. Für KommunistInnen/ SozialistInnen darf man ohne Strunzen einen höheren Durchschnittswert anlegen. Wenn also alle DKP-Mitglieder, alle SDAJ‘lerInnen, alle UZ- und MBl-LeserInnen ihren persönlichen Buchbedarf für Schule, Studium, Beruf, Freizeit und Politik weitestgehend bei uns bestellen, brauchen die Marxistischen Blätter für ihr Überleben zukünftig keine Spenden oder Darlehen mehr. Ein ehemals führender Genosse unserer Partei war zwar der Ansicht „Bücher kaufen können die GenossInnen auch woanders“. Wir aber kämpfen in 2015 mit neuem Elan dafür, dass wir uns als Bestellservice der KommunistInnen und aller Linken etablieren, denen als Kollateralnutzen ihrer Bestellungen der Erhalt der Marxistischen Blätter am Herzen liegt. Das ist eine Schlüsselaufgabe. Wenn wir die bewältigen, kommen wir auch auf anderen Baustellen weiter.


Lothar Geisler ist ehrenamtlicher Geschäftsführer des Neue Impulse Verlag.

Die Fragen stellte Gerhard Ziegler.

Mehr von der UZ (Unsere Zeit - Wochenzeitung der DKP) auf der Website: www.unsere-zeit.de