Editorial: Man nennt es Rechtspopulismus
So wie es fragwürdig ist, in dem Norweger Anders Breivik einen Einzeltäter zu erkennen, ist sein Massaker vom Ursprung her kein Einzelfall. Es ist Symptom einer Tendenz. Selbst die FAZ vermerkt besorgt den Auftrieb rechter Parteien in fast allen europäischen Ländern: „Die Politik in Europa wird auf absehbare Zeit von den Rechtspopulisten dominiert“, und für den CSU-Innenminister Friedrich steht der Attentäter von Oslo „mit seinem Gedankengut nicht allein.“ Wenn dennoch versucht wird, ihn auf einen Psychopaten zu reduzieren, scheint es uns wichtig, die sozial-psychologischen Befunde und die politisch-ideologischen Zusammenhänge des Falles einer marxistischen Analyse zu unterziehen, was Hans-Peter Brenner übernommen hat.
Unserem Themen-Schwerpunkt gaben wir den Titel „Man nennt es Rechtspopulismus“. Nicht, weil wir uns davon distanzieren, sondern weil darauf zu achten ist, dass dieser Begriff nicht als Modewort Karriere macht. Es ist erstaunlich, wieviel erzreaktionäres Denken, demagogische Raffinesse und Bereitschaft zu terroristischer Brutalität dieser ziemlich freundlich klingende Begriff in sich birgt, wie aus dem Aufsatz von Phillip Becher zu schließen ist.
Rechte Bewegungen sind in der Tat eine internationale Erscheinung, gefährlich in allen Kalibern: von jüngsten Wahlerfolgen der NPD bis zu exklusiven Zirkeln wie der Tea Party im Stalle der US-Republikaner. Einen Einblick, keinen vollständigen überblick, vermitteln die Beiträge über Norwegen/Schweden (Stefan Godau), Dänemark (Phillip Becher), Frankreich (Georg Polikeit), Schweiz (Anne Polikeit), österreich (Anne Rieger), die gewiss mit ähnlich spezifischen Untersuchungen über west- und osteuropäische Länder zu ergänzen wären.