Marxistische Blätter 2_2016: Der nützliche Feind - IS und Co.

Mit Beiträgen von Rudolph Bauer, Dirk de Block (PdA Belgien), Joachim Guilliard, Imad Mustafa, Salvador Oberhaus, Klaus von Raussendorff (DFV), Klaus Wagener

Weitere Themen: Eine Bresche im Patriarchat: Louise Michel, Antoni Aguiló (Spanien); Chruschtschows ›Geheimrede‹ und die historische Wahrheit, Roger Keeran (USA); James Connolly und die erweiterte Klassenpolitik 1916, Priscilla Metscher; Ein anderer Weg für Griechenland, Andreas Wehr; Silvester in Köln mal anders gesehen, Michael Stiels-Glenn; Parteitag in Vietnam, Stefan Kühner; Putin vs. Lenin, Willi Gerns; Industrie 4.0 in Davos, Thomas Hagenhofer

Diskussion: Manfred Sohn zu Papst Franziskus; Theo Bergmann und Herbert Münchow zur Faschismusanalyse der KPD(O)

Es ist unglaubliche elf Jahre her, dass wir in einem Schwerpunkt dieser Zeitschrift über das »Feindbild Islam« geschrieben haben. Liest man erneut Editorial und Beiträge dieser Ausgabe (4_2005) ist man vielleicht überrascht, aber auf jeden Fall erschrocken über Aktualität und Gültigkeit der Argumente und Einschätzungen unserer AutorInnen. Erschreckend ist vor allem, dass seitdem alles noch viel schlimmer geworden ist. Der globale »Krieg gegen den Terror«, den G. W. Bush nach dem 11. September 2001 ausgerufen hat und mit einer »Koalition der Willigen« führt, hat keinen einzigen Interessenkonflikt gelöst, sondern viele neue Konfliktherde geschaffen. Die globale Kriegsgefahr ist dramatisch gewachsen. An der Eskalationsspirale von »Terror-Angriffen« und »Anti-Terror-Maßnahmen« wird ungebremst gedreht. Die Bundeswehr wird dabei mit neuem Milliarden-Etat aufgerüstet für den weltweiten Kriegseinsatz. Das nützliche Feindbild funktioniert also besser denn je. »Islam« und »Terror« sind heute als Begriffszwillinge fest etabliert. Standen anfangs nur al Quaida und Osama bin Laden im Fokus, ist die Gefahr heute metastasiert, nicht nur hinsichtlich neuer Akteure. Die Angst vor »islamistischer Bedrohung« ist weit in bundesdeutsches Alltagsbewusstsein, in unser Leben vorgedrungen. Auch die Mobilisierungs- und Wahlerfolge von Pegida und ihrem parlamentarischen Arm AfD zeugen davon. Obwohl der massenhaften Feindbildproduktion und -propaganda allein mit Aufklärung nicht beizukommen ist – wie wir 2005 schrieben –, haben wir dennoch keine andere Möglichkeit als zur Aufklärung beizutragen. Blicken wir also genauer auf den nützlichen Feind IS & Co., auf seine Konstruktion, seine Konstrukteure, seinen Nutzen und seine Nutznießer – mit dem Ziel, mehr Klarheit zu schaffen, was Terrorismus genau ist und wie man ihn wirkungsvoller als derzeit üblich bekämpfen kann. Jens Wernicke sprach u. a. darüber mit dem deutsch-palästinensischen Politologen Imad Mustafa. Salvador Oberhaus zeigt am Beispiel des »Deutschen Djihad« im Ersten Weltkrieg u. a. welche realpolitischen Folgen ein falsches Bild von Islam und Orient damals hatte. Joachim Guilliard analysiert »Terror made by NATO« konkret an den Fallbeispielen Irak und Syrien. Klaus von Raussendorff informiert, wie im heutigen Islam selber über Terrorismus diskutiert wird. Klaus Wagener argumentiert, wie der Repressionsapparat des Imperialismus im »Global War on Terror« seine ultimative Form gefunden hat. Rudolph Bauer gibt Denkanstöße, wie der verrohenden und lähmenden Dominanz des Militärischen durch Befreiungsbewegungen und Friedensbestrebungen begegnet werden kann. Und Dirk De Block, Gemeinderat der belgischen Partei der Arbeit in Molenbeek, macht Vorschläge zur Bekämpfung djihadistischer Radikalisierung von Jugendlichen vor Ort. PS: Nicht zum Schwerpunkt, aber in den höchst aktuellen Kontext der Befreiung von imperialistischer Vorherrschaft gehören auch die sehr anregenden Beiträge von Priscilla Metscher über James Connolly und den irischen Osteraufstand 1916 sowie »Ein anderer Weg für Griechenland« von Andreas Wehr. -- LoG

Neue Impulse Verlag
ISBN/EAN: 9969379000046
9,50 €