Marxistische Blätter 2_2017: Amerikas Faust

Mit Beiträgen aus den USA von Norman Markowitz, Zoltan Zigedy, Jason Schulman und Joseph Gerson, aus Südamerika von Carolus Wimmer (Venezuela) und Arnold Schölzel, Stefan Kühner und Lothar Geisler (BRD) sowie: die Antrittsrede von Donald Trump

Weitere Themen: Togliatti und der Friedenskampf, Mein Großvater Antonio Gramsci, Marx und Engels über Geschlechterverhältnisse, Fake-News oder Fake-Demokratie?, Die Niederlage von Aleppo, Kein NPD-Verbotsurteil, KPÖ-Wahlerfolg in Graz, Tarifkampf um Entlastung im Saarland, Auf zum G20-Gipfel in Hamburg

Wir betrachten es keineswegs als unsere Aufgabe zu spekulieren, was Trump wohl
noch alles tun wird oder wie, wann und mit welcher Hinterlassenschaft seine Regierungszeit
dereinst mal enden könnte. Ein halbwegs realistisches Gesamtbild der USA
nach Trumps Wahl erfordert – will es nicht an Oberflächlichem kleben bleiben – umfassende,
nüchterne Analysen. Jede eindimensionale Sicht verzerrt das Bild und führt
in die Irre.

Insofern betrachten wir die Beiträge unseres Schwerpunktes als Puzzlesteine auf
dem Weg zu einem realistischen Gesamtbild. Vier Autoren – Norman Markowitz,
Zoltan Zigedy, Jason Schulman und Joseph Gerson – blicken auf die USA »from inside
USA«, d. h. konkret aus Sicht ihrer Arbeiter- und Friedensbewegung. (Ja, die gibt es
dort noch sehr wohl!)

Carolus Wimmer (Venezuela) blickt auf die US-Politik aus ihrem lateinamerikanischen
»Hinterhof«. Stefan Kühner (Freundschaftsgesellschaft Vietnam) schreibt über
Handelsperspektiven nach dem Trump’schen Aus für die Transatlantische Partnerschaft
(TPP). Arnold Schölzel (junge welt) sieht mit Trumps Amtsantritt Signale für
eine weitere geschichtliche Zäsur nach 1991. »Kurz und knapp geht es um zweierlei: Die
Wiederkehr der sozialen Frage weltweit und das Ende der Ära, in der sich die USA als
›einzige Supermacht‹ sahen.« Lothar Geisler (Marxistische Blätter) rundet das Bild mit
einer knapp kommentierten »Presseschau kurz vor Redaktionsschluss« ab.

Vieles ist sicher noch unscharf, unsicher, widersprüchlich. Widerspruch und – je
nach Standpunkt – überzogene Urteile muss man aushalten und ausdiskutieren. Aber
eins ist sicher: die Weltlage ist unsicherer geworden. Und das Bild von Imperialismus
für viele noch klarer.

Trump hat bei seiner Antrittsrede der Welt nicht nur als persönliche Siegerpose,
sondern programmatisch Amerikas Faust gezeigt. Er ist Amerikas Faust. Vorrang für
die US-Politik haben offener denn je und vor allem anderen die US-Interessen (wie
Trump sie sieht). Der nackte Eigennutz ist Regierungsprogramm. Und in Trumps Kabinett:
mächtig viel Militärs und Milliardäre, also das staatsmonopolistische »Kommando
Spezialkräfte« für Krieg und Wirtschaftskrieg. Ob dabei auf Dauer etwas abfällt
für die arbeitenden und jobsuchenden Menschen – in den USA und anderswo – darf
begründet bezweifelt werden. Absehbar sind aber schon jetzt wachsende Standortkonkurrenz
und imperialistische Rivalitäten. Besonders besorgniserregend ist dabei:
die »Notwendigkeit« eigener Atomwaffen und neuer nuklearer Aufrüstung wird seit
Trumps Amtsantritt von Berlin bis Peking wieder so öffentlich und offensiv ins Feld
geführt wie lange nicht.

Insofern ist »Amerikas Faust« mit Sicherheit und unbestreitbar eine riesige Herausforderung
für die globale Arbeiter- und Friedensbewegung, aber auch eine Chance.
Denn der Imperialismus zeigt uns sein derzeit hässlichstes Gesicht. 

-- Lothar Geisler

Neue Impulse Verlag
ISBN/EAN: 9783961700011
9,50 €