Marxistische Blätter 3_2016: Arbeitswelt 4.0

Das Thema: Christian Fuchs, Digitale Arbeit und Imperialismus; Uwe Fritsch, Arbeit 4.0 bei Volkswagen; Lothar Geisler, Schöne deformierte Arbeitswelt; Marcus Schwarzbach, Die modernen Clickarbeiter; Bernd Riexinger (Partei Die Linke), Für eine demokratische Zukunftswirtschaft; Lotter/ Meiners/ Treptow, Arbeitsbegriffe marxistisch begreifen

Weitere Themen: Rüstungskonversion – was geht und wie geht mehr?, A. Rieger; Der Marxismus des James Connolly, Th. Metscher; Sahra Wagenknecht und der Kapitalismus, K. Wagener; Neue Aussichten für Kuba ?, A. Charlamenko; Geschichtspolitik in Thüringen, L. Elm; Studierende gegen »Pick-up-Artists«, D. Tigges/ D. Weber; Zum 30. Todestag von Reinhard Opitz, K. Baumann; Flucht als großes Vorbeben, M. Sohn; 1946 – Sozialisierungsforderungen

»Die moderne Industrie betrachtet und behandelt die vorhandene Form eines Produktionsprozesses nie als definitiv. Ihre technische Basis ist daher revolutionär … Durch Maschinerie, chemische Prozesse und andre Methoden wälzt sie beständig mit der technischen Grundlage der Produktion die Funktionen der Arbeiter und die gesellschaftlichen Kombinationen des Arbeitsprozesses um.« Aus dieser Marxschen Formulierung über die permanente Revolutionierung der Produktivkräfte durch das Kapital kann man getrost und selbstbewusst den Schluss ziehen, dass der »Alte« zum Verständnis heutiger Umwälzungsprozesse, die mit dem »4.0-Label« versehen sind, einiges beizutragen hat – vor allem auch bewährte Arbeitsbegriffe, die insbesondere arbeitenden Menschen das Begreifen erleichtern. Darum haben wir einige der wichtigsten aus dem »Marx-Engels-Lexikon« in unseren Schwerpunkt integriert. »Wir sollten genau unterscheiden, was neu ist und was nicht so neu ist an diesem Regime des ›digitalen Kapitalismus‹«, rät der weißrussische Netzkritiker Evgeny Morozov. »Neuerungen bedürfen einer angemessenen Theoretisierung. Aber das bedeutet nicht, dass die alten Fragen – die nach Monopolen, Imperialismus, der Verbindung zwischen der Kriegsindustrie auf der einen und Innovationen auf der anderen Seite –, dass all diese Fragen sich erledigt hätten«.

Diesen Rat aufgreifend beginnen wir den Schwerpunkt mit dem sehr anregenden Beitrag von Christian Fuchs über »Digitale Arbeit und Imperialismus«. Hier wie auch in dem Beitrag von Lothar Geisler geht es weniger um »cyber-physische Systeme«, 3D-Drucker und anderweitig technisch-Revolutionäres, sondern um die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen und deren Rückwirkung auf Arbeit und Leben der Arbeitenden. Denn die ungelöste Schlüsselfrage ist, wie unter den heutigen Bedingungen »deformierter Produktivkraftentwicklung« technischer Fortschritt zu sozialem Fortschritt werden kann. Wie wichtig, aber auch wie schwer der Kampf ums Mitbestimmen darüber ist, wer, was, wo und wie produziert wird, zeigt – außerhalb des Schwerpunkts – der Beitrag von Anne Rieger zur Rüstungskonversion. Der Betriebsräte-Berater Marcus Schwarzbach erläutert, was »Crowdworking« ist und auf welchen Handlungsfeldern Betriebsräte und Gewerkschaften gefordert sind. Der Braunschweiger VW-Betriebsrat Uwe Fritsch schildert betriebliche Erfahrungen. Und der langjährige Gewerkschafter und Vorsitzende der Partei Die Linke, Bernd Riexinger, stellt Überlegungen zu einer linken digitalen Agenda zur Diskussion. Wissend, dass wir das Schwerpunktthema damit nur angerissen haben und wir erst am Anfang eines Diskussionsprozesses über die Zukunft der (digitalen) Arbeit stehen, haben wir für unsere LeserInnen Buchempfehlungen zum Thema zusammengestellt. Denn diese Debatte dürfen wir nicht den »Experten« überlassen.

Neue Impulse Verlag
ISBN/EAN: 9969379000053
9,50 €