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Dem Himmel so nah

Roman

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Bibliografische Daten
ISBN/EAN: 9783442471577
Sprache: Deutsch
Umfang: 470 S.
Format (T/L/B): 3.3 x 18.8 x 12 cm
Einband: kartoniertes Buch

Beschreibung

Drei Frauen, drei Generationen und eine zu Herzen gehende Liebesgeschichte Der Londoner Geschäftsmann Mike Dormer soll den Aus- und Umbau des australischen Silver Bay Hotels managen. Aber Mike hat die Rechnung ohne die Hotelbewohnerinnen gemacht: Liza, ihre 10-jährige Tochter Hannah und ihre Tante Kathleen verhalten sich nicht gerade kooperativ. Und schon bald prallen die Welten des arroganten Managers und der selbstbewussten und mit der Natur im Einklang lebenden Frauen aufeinander. Mikes Überzeugung gerät immer mehr ins Wanken - vor allem, als er und Liza, die sich zunächst heftig bekriegen, sich ineinander verlieben .

Leseprobe

Mein Name ist Kathleen Whittier Mostyn, und im Alter von siebzehn Jahren wurde ich für den Fang des größten Fisches in ganz New South Wales berühmt: eines grauen Ammenhais, der selbst nach zwei Tagen öffentlicher Zurschaustellung mit einem Auge immer noch so böse blickte, als wollte er mich in Stücke reißen. Damals tat man in Silver Bay kaum etwas anderes als Sportfischen, und ganze drei Wochen lang war jener Hai bei uns Thema Nummer eins. Ein Zeitungsreporter nahm sogar die Anfahrt aus Newcastle auf sich und machte ein Bild von mir, wie ich neben dem Fisch stand (ich bin diejenige im Badeanzug). Das Vieh war ganze dreizehn Zentimeter größer als ich, obwohl mich der Fotograf schon gebeten hatte, meine Schuhe mit den höchsten Absätzen zu tragen. Was man sieht, ist ein groß gewachsenes, eher finster dreinblickendes Mädchen, das besser aussah, als es ihm selbst bewusst war, mit - zum Leidwesen der Mutter - sehr breiten Schultern und einer vom Einholen und Befestigen der Bootstaue so schmalen Taille, dass sie nie ein Korsett umhüllen würde. Und da stand ich nun und platzte fast vor Stolz, weil ich noch nicht wusste, dass ich bis ans Ende meiner Tage selber an der Angel dieses Monstrums hängen würde, als wären wir verheiratet. Was man auf dem Foto allerdings nicht erkennen kann, sind die beiden Drähte, versteckt gehalten von meinem Vater und seinem Geschäftspartner, Mr. Brent Newhaven, die den Fisch in der Vertikalen hielten. Beim Einholen meines Fangs hatte ich mir mehrere Sehnen an der rechten Schulter gezerrt, und als der Fotograf eintraf, war ich nicht einmal in der Lage, eine Teetasse zu halten, von einem ausgewachsenen Hai ganz zu schweigen. Trotzdem war mein Ruf durch diesen Vorfall zementiert. Jahrelang war ich nur als das "Haimädchen" bekannt, obwohl ich selber mittlerweile kein Backfisch mehr war. Meine Schwester Norah zog mich immer damit auf, angesichts meiner äußeren Erscheinung wäre der Name "Seeigel" wohl angebrachter, doch laut meinem Vater war es mein legendärer Fischzug, der dem Bay Hotel zum Durchbruch verhalf. Zwei Tage nach Erscheinen meines Konterfeis in der Zeitung waren wir restlos ausgebucht, und das blieben wir auch bis ins Jahr 1962, als der Westflügel des Hotels einem Brand zum Opfer fiel. Männer reisten an, weil sie meinen Rekord überbieten wollten: Wenn schon ein Mädchen in der Lage war, einen solchen Brummer an Land zu ziehen, was konnte dann erst ein richtiger Sportangler ausrichten? Ein paar von ihnen machten mir sogar einen Heiratsantrag, aber mein Vater pflegte zu sagen, bei denen hätte er schon Lunte gerochen, noch bevor sie Port Stephens erreichten. Also schickte er sie dorthin, wo der Pfeffer wächst. Die Frauen kamen, weil sie es bis dato nicht für möglich gehalten hatten, dass sie beim Sportfischen wirklich etwas an die Angel bekommen könnten, geschweige denn eine Beute, mit der sie in Konkurrenz zu den Männern treten könnten. Und die Familien schließlich kamen, weil Silver Bay mit seiner geschützten Bucht, den endlosen Sanddünen und der ruhigen See ein wunderbarer Ferienort war. Um es mit dem zusätzlichen Bootsverkehr aufzunehmen, wurden rasch zwei neue Molen gebaut, und jeden Tag war die Luft erfüllt vom Klicken der Riemen und dem Brummen von Außenbordmotoren, während die See in- und außerhalb der Bucht von Anglern und Sportfischern durchforstet wurde. Bis spät in die Nacht hinein hörte man am Hafen das Aufheulen von Automotoren, leise Musik und Gläsergeklirr. Während der Fünfzigerjahre gab es wohl kaum einen Ort, der - ohne übertreiben zu wollen - angesagter gewesen wäre als Silver Bay. Heutzutage haben wir immer noch unsere Boote und unsere Molen, obwohl wir nur noch eine Anlegestelle benutzen, und es ist auch eine andere Beute, der die Leute hinterherjagen. Ich selbst habe fast zwanzig Jahre lang keine Angelrute mehr in der Hand gehabt. Das Töten von Lebewesen jedweder Art interessiert mich nicht mehr. Das Leben hier verläuft selbst im Sommer in ruhigen Bahnen. Die meisten Urlauber ve

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