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Entfesselte Finanzmärkte

eBook - Soziologische Analysen des modernen Kapitalismus

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Bibliografische Daten
ISBN/EAN: 9783593412986
Sprache: Deutsch
Umfang: 405 S., 6.70 MB
Auflage: 1. Auflage 2012
E-Book
Format: PDF
DRM: Digitales Wasserzeichen

Beschreibung

Die internationalen Finanzmärkte sind zu einem einzigartigen Treibmittel des wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Wandels geworden. Einerseits haben sie ökonomische Wachstumsprozesse beschleunigt und Wohlstandsgewinne begünstigt, andererseits aber auch krisenhafte Entwicklungen in Wirtschaft und Gesellschaft hervorgebracht bzw. verstärkt. Inzwischen zeichnet sich immer deutlicher ab, dass eine ganze Reihe sozialer, institutioneller und kultureller Faktoren einbezogen werden müssen, um die janusköpfige Gestalt der Finanzmärkte ebenso wie ihre politischen Rahmenbedingungen und gesellschaftlichen Auswirkungen adäquat zu analysieren. Um die Leistungsfähigkeit der Soziologie bei der Analyse der Finanzmärkte eingehender zu diskutieren, sind in diesem Buch Beiträge aus diversen Feldern der soziologischen Forschung versammelt. Bei aller Unterschiedlichkeit des theoretischen und empirischen Zugangs besteht das Gemeinsame der vorliegenden Aufsätze in der Frage, welchen originären Beitrag die Soziologie zu einem besseren Verständnis zentraler Entwicklungstrends und Problemlagen der Finanzmärkte, ihrer Dynamiken und Krisen in modernen kapitalistischen Gesellschaften leisten kann.Mit dem Aufschwung der neueren Wirtschaftssoziologie seit den 1980er Jahren ist die Aufmerksamkeit des Faches wieder stärker auf Märkte und Unternehmen als soziologische Untersuchungsgegenstände gerichtet worden. Im Gegensatz zur klassischen, maßgeblich von Max Weber geprägten Frühphase der Wirtschaftssoziologie werden jedoch nicht nur die außerökonomischen Voraussetzungen des Ökonomischen untersucht. Zugleich sind in zahlreichen neueren Arbeiten die sozialen Strukturen von Märkten (zum Beispiel Netzwerke, Institutionen, Statushierarchien, sozio-kognitive Skript­s) ins Blickfeld geraten. Von diesem wieder erwachten Interesse für wirtschaftssoziologische Fragen hat die Soziologie der Finanzmärkte zunächst nicht profitiert. Mehr noch: Die Finanzmärkte sind als Untersuchungsfeld vom Mainstream der Soziologie ignoriert worden. In jüngster Zeit haben jedoch drei Ereignisse das soziologische Interesse für Finanzmärkte geweckt: erstens der dramatische Kursverfall von Unternehmen der New Economy an den internationalen Finanzmärkten zur Jahrtausendwende ("Internetblase"), zweitens die globale Finanzmarktkrise ab 2007/08 mit ihren zum Teil dramatischen Auswirkungen auf Weltwirtschaft und Nationalstaaten sowie drittens die schwelende Eurokrise seit 2009, die scheinbare Selbstverständlichkeiten des europäischen Integrationsprozesses zur Disposition gestellt hat und mit massiven wirtschaftlichen und sozialen Verwerfungen einherging.Die soziologische Erforschung der Finanzmärkte ist damit aus zweierlei Gründen lohnenswert: Zum einen sind Finanzmärkte nicht nur ökonomisch relevante Institutionen, sondern in den letzten Jahrzehnten auch von großer Bedeutung für die Entwicklungsdynamik und den Wandel kapitalistischer Gesellschaften rund um den Globus geworden. Um diesen Wandel in seinen sozioökonomischen, aber auch sozialen, institutionellen und politisch-kulturellen Facetten erklären zu können, erscheint es gerade auch für die Soziologie unabdingbar, sich mit den Finanzmärkten auseinanderzusetzen. Zum anderen sind die vorherrschenden Erklärungsmodelle der orthodoxen ökonomischen Theorie soziologisch alles andere als überzeugend, um das hektische Auf und Ab der Kursbewegungen sowie die wiederkehrenden Blasen und Zusammenbrüche auf den Finanzmärkten wenigstens annäherungsweise zu erklären. Vor diesem Hintergrund stellt sich für die Soziologie die Frage, welchen Beitrag sie zur Analyse moderner Finanzmärkte leisten kann.

Autorenportrait

Klaus Kraemer ist Universitätsprofessor für Angewandte Soziologie (Wirtschaft, Organisation und soziale Probleme) am Institut für Soziologie der Universität Graz. Sebastian Nessel, M.A., ist Soziologe und Universitätsassistent am Institut für Soziologie der Universität Graz.

Leseprobe

Die internationalen Finanzmärkte sind zu einem einzigartigen Treibmittel des wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Wandels geworden. Einerseits haben sie ökonomische Wachstumsprozesse beschleunigt und Wohlstandsgewinne begünstigt, andererseits aber auch krisenhafte Entwicklungen in Wirtschaft und Gesellschaft hervorgebracht bzw. verstärkt. Inzwischen zeichnet sich immer deutlicher ab, dass eine ganze Reihe sozialer, institutioneller und kultureller Faktoren einbezogen werden müssen, um die janusköpfige Gestalt der Finanzmärkte ebenso wie ihre politischen Rahmenbedingungen und gesellschaftlichen Auswirkungen adäquat zu analysieren. Um die Leistungsfähigkeit der Soziologie bei der Analyse der Finanzmärkte eingehender zu diskutieren, sind in diesem Buch Beiträge aus diversen Feldern der soziologischen Forschung versammelt. Bei aller Unterschiedlichkeit des theoretischen und empirischen Zugangs besteht das Gemeinsame der vorliegenden Aufsätze in der Frage, welchen originären Beitrag die Soziologie zu einem besseren Verständnis zentraler Entwicklungstrends und Problemlagen der Finanzmärkte, ihrer Dynamiken und Krisen in modernen kapitalistischen Gesellschaften leisten kann.Mit dem Aufschwung der neueren Wirtschaftssoziologie seit den 1980er Jahren ist die Aufmerksamkeit des Faches wieder stärker auf Märkte und Unternehmen als soziologische Untersuchungsgegenstände gerichtet worden. Im Gegensatz zur klassischen, maßgeblich von Max Weber geprägten Frühphase der Wirtschaftssoziologie werden jedoch nicht nur die außerökonomischen Voraussetzungen des Ökonomischen untersucht. Zugleich sind in zahlreichen neueren Arbeiten die sozialen Strukturen von Märkten (zum Beispiel Netzwerke, Institutionen, Statushierarchien, sozio-kognitive Skript­s) ins Blickfeld geraten. Von diesem wieder erwachten Interesse für wirtschaftssoziologische Fragen hat die Soziologie der Finanzmärkte zunächst nicht profitiert. Mehr noch: Die Finanzmärkte sind als Untersuchungsfeld vom Mainstream der Soziologie ignoriert worden. In jüngster Zeit haben jedoch drei Ereignisse das soziologische Interesse für Finanzmärkte geweckt: erstens der dramatische Kursverfall von Unternehmen der New Economy an den internationalen Finanzmärkten zur Jahrtausendwende ("Internetblase"), zweitens die globale Finanzmarktkrise ab 2007/08 mit ihren zum Teil dramatischen Auswirkungen auf Weltwirtschaft und Nationalstaaten sowie drittens die schwelende Eurokrise seit 2009, die scheinbare Selbstverständlichkeiten des europäischen Integrationsprozesses zur Disposition gestellt hat und mit massiven wirtschaftlichen und sozialen Verwerfungen einherging.Die soziologische Erforschung der Finanzmärkte ist damit aus zweierlei Gründen lohnenswert: Zum einen sind Finanzmärkte nicht nur ökonomisch relevante Institutionen, sondern in den letzten Jahrzehnten auch von großer Bedeutung für die Entwicklungsdynamik und den Wandel kapitalistischer Gesellschaften rund um den Globus geworden. Um diesen Wandel in seinen sozioökonomischen, aber auch sozialen, institutionellen und politisch-kulturellen Facetten erklären zu können, erscheint es gerade auch für die Soziologie unabdingbar, sich mit den Finanzmärkten auseinanderzusetzen. Zum anderen sind die vorherrschenden Erklärungsmodelle der orthodoxen ökonomischen Theorie soziologisch alles andere als überzeugend, um das hektische Auf und Ab der Kursbewegungen sowie die wiederkehrenden Blasen und Zusammenbrüche auf den Finanzmärkten wenigstens annäherungsweise zu erklären. Vor diesem Hintergrund stellt sich für die Soziologie die Frage, welchen Beitrag sie zur Analyse moderner Finanzmärkte leisten kann. Was sind die zentralen gesellschaftlichen Konstitutionsbedingungen des modernen Finanzsystems? Welche sozialen, institutionellen und kulturellen Einflussfaktoren können identifiziert werden? Wurde der wohlfahrtsstaatlich gezähmte Kapitalismus von einem finanzmarktgetriebenen Kapitalismus abgelöst? Haben die politischen Eliten den "verwilderten Finanzkapitalismus" von der "Leine der Realökonomie" (Jürgen Habermas) entbunden? Wie wirken sich liberalisierte Finanzmärkte auf betriebliche Arbeits- und Beschäftigungssysteme und auf die Sozialstruktur aus? Und welche Folgen haben die globalen Turbulenzen der Finanzmärkte auf staatliche Ordnungen des gesellschaftlichen Zusammenlebens? Die politischen und sozialen Verwerfungen der von der gegenwärtigen Eurokrise besonders hart getroffenen Länder, wie beispielsweise Griechenland, Spanien und Portugal, lassen jedenfalls erahnen, wie folgenreich Finanzkrisen für staatliche Souveränitätsansprüche und den sozialen Zusammenhalt einer Gesellschaft sein können. Der vorliegende Band will einen Beitrag zur soziologischen Beobachtung der Finanzmärkte leisten, Einblicke in den Stand unterschiedlicher Forschungsstränge zur Finanzmarktsoziologie geben und damit weitere Forschungen stimulieren. Die Aufsätze sind thematisch fünf Bereichen zugeordnet: Der erste Teil erschließt unterschiedliche Zugänge der Soziologie zum Untersuchungsobjekt der Finanzmärkte. Im zweiten Teil wird das Verhältnis von Finanzmärkten und Produktionsökonomie analysiert. Teil drei widmet sich Finanzmarktkrisen aus mikro-, meso- und makrosoziologischer Warte. Im vierten Teil werden die Entscheidungsrationalitäten unterschiedlicher Finanzmarktakteure untersucht. Der Band schließt mit einem Ausblick zur Zukunft der Regulierung der Finanzmärkte.

Inhalt

InhaltEinleitungKlaus Kraemer/Sebastian Nessel9I. Finanzmärkte: Soziologische ZugängeIdeen, Interessen und Institutionen: Welchen Beitrag kann die Soziologie zur Analyse moderner Finanzmärkte leisten?Klaus Kraemer25Die Entgrenzung von Nicht-Sinn: Zur Konzipierung entfesselter FinanzmärkteAndreas Langenohl/Dietmar J. Wetzel63Geldillusion und KriseHeiner Ganßmann83Von Menschen, Märkten und Moneten: Eine Kritik verhaltensökonomischer Deutungen der FinanzkriseSabine Frerichs103II. Finanzmärkte und RealwirtschaftKrise des Shareholder Value?Kapitalmarktorientierte Steuerung als WettkampfsystemKlaus Dörre121Finanzmarktkapitalismus und technologische InnovationenHartmut Hirsch-Kreinsen145Vom Austrokorporatismus zum Austrokapitalismus: Das Beispiel der Entbettung österreichischer BankenLukas Hofstätter/Philipp Korom161III. Finanzmarktkrisen, Ohnmacht und RegulierungCrisis? What Crisis? Zur Logik der Spekulation oder Warum die Hypotheken-Krise lehrt, dass die nächste Krise kommtAxel T. Paul181Die Eurokrise - Konsequenzen der defizitären Institutionalisierung der gemeinsamen WährungJenny Preunkert/Georg Vobruba201Politischer Ritterschlag für Ratingagenturen: Regulatorisches Outsourcing und der Beitrag von Gesetzgebern zur Macht der RatingagenturenNatalia Besedovsky225Kleinanleger auf dem Finanzmarkt: Praktiken der HilflosigkeitsabsorptionUwe Schimank/Silke Stopper243Vertrauen, Wissen, Nichtwissen - Bank-Kunden-Beziehungen in der FinanzkriseBirger P. Priddat263IV. Finanzmärkte und EntscheidungsrationalitätenEthisches Investment, Islamic Finance und politische Fonds: Eine Analyse multipler Entscheidungsrationalitäten auf FinanzmärktenSebastian Nessel281Rationalitätsfiktionen des Anlageverhaltens auf FinanzmärktenRolf von Lüde/Christian von Scheve309Der Gefühlskapitalismus der Banken: Vom Ende der Gier als "ruhiger Leidenschaft"Sighard Neckel327Finanzkrisen und Stimmungslagen - eine gegenwartsanalytische BetrachtungManfred Prisching347Der Markt als Lebewesen: Zugeschriebene Handlungsträgerschaft als Bearbeitung von Ungewissheit und Informationsarmut in FinanzmärktenStefan Laube367V. AusblickGlobale Finanzmärkte: Fairness und GerechtigkeitBrigitte Young387Autorinnen und Autoren403

Schlagzeile

Die Soziologie der Finanzmärkte

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