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Freiheit, die WIR meinen

Sonderbeilage zum Ukraine-Krieg: Dimitrios Patelis/ Joachim Hösler

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Bibliografische Daten
ISBN/EAN: 9783961700547
Sprache: Deutsch
Umfang: 136
Einband: Paperback

Beschreibung

Editorial

Als Alt-Linkem kommt einem hier und da die von unserem Genossen Rechtsanwalt und Liedermacher Franz-Josef Degenhardt gesungene Variation des 1947 entstandenen Brecht- Gedichtes »Der anachronistische Zug oder Freiheit und Democracy«1 spontan in den Sinn, wenn man aktuelle Reden Regierender – von Biden bis Baerbock – zur Verteidigung von Freiheit, Demokratie, Menschenrechten und sonstiger »westlicher« Werte vor »autoritären« Feinden ertragen muss. Häufigkeit und Pathos solchen Geredes wachsen in dem Maße, wie die Kluft zwischen Rhetorik und Realität größer wird, die Gestaltungsspielräume für die Mehrheit und ihre (Über-)Lebensinteressen hingegen immer kleiner. Wer den Herrschen- den – einem klugen Rat August Bebels folgend – nicht nur aufs Maul, sondern auf die Finger schaut, erkennt das sehr schnell. Wobei die wachsende Bedrohung von Freiheit und Demokratie weniger von äußeren Mächten, als aus dem tiefsten Inneren des Kapitalismus kommt. Arnold Schölzel greift das in seinem Beitrag über »Freiheit und Demokratie in heutigen ideologischen Kämpfen« auf. Einen sehr differenzierten Blick auf die konkrete, systembedingte Entwicklung von Demokratie und Rechtsstaat der BRD wirft Andreas Fisahn in seinem neuen Buch »Repressive Toleranz und marktkonforme Demokratie«. Volkmar Schöneburg empfiehlt das »opulente Werk« in seiner Rezension. Achim Bigus zeigt in seinem Beitrag zu »70 Jahre Betriebsverfassungsgesetz« nicht nur, wie düster es hinter deutschen Werkstoren noch immer um Demokratie bestellt ist, sondern auch wie kämpferische Gewerkschafter Spielräume erweitern können. Dass die Arbeiterklasse beim Kampf um Freiheit und Demokratie selbst in noch dunkleren Zeiten kämpferische Rechtsanwälte an ihrer Seite hatte, belegt Volkmar Schöneburg im Beitrag über Hans Litten und seine Biographie.

Mit der konkreten Analyse konkreter (un-)demokratischer Verhältnisse haben wir uns in der Vergangenheit notgedrungen – regelmäßig – auch in Heftschwerpunkten befasst. Im Fokus dieser Ausgabe steht auch deshalb stärker als sonst die (Neu-)Vermittlung von weltanschaulichen Basics unserer Freiheits- und Rechtsauffassung, auf der unser politisches Denken und Handeln als Marxist:innen aufbaut und die sich grundsätzlich unterscheidet von allen, die Freiheit als rein subjektive, ideelle Konstitution eines von (staatlichem) Zwang freien Individuums betrachten.

Hannes und Helmuth Fellner skizzieren in ihrem einleitenden Beitrag »Zur Dialektik von Freiheit und Notwendigkeit« die wichtigsten Eckpunkte der Freiheitsauffassung des Marxismus, wonach Freiheit als Einheit von Erkennen und Beherrschen der Entwicklungsprozesse in der natürlichen und gesellschaftlichen Umwelt verstanden werden muss. Claudius Vellay warnt in seinem Beitrag »Zum marxistischen Freiheitsbegriff« vor »determinierender Notwendigkeit« und streitet für ein Verständnis von »Freiheit als Einsicht in Möglichkeiten«. Roland Boer, der seit vielen Jahren in China lebt und arbeitet, haben wir um eine kurze Einführung ins Thema »Freiheit und Demokratie aus chinesischer Sicht« gebeten. Sein Beitrag provoziert und macht neugierig auf mehr. Hermann Klenner steuert Grundsätzliches zum Stichwort »Naturrecht« bei und zur Beantwortung der Frage: »Hatte Marx eine Menschenrechts-Theorie?«.

Die Beilage dieser Ausgabe (die dritte Friedensbeilage dieser Art) mit einem Interview mit Dimitrios Patelis "Die ukrainische Phase eines dritten Weltkrieges?" und einem Beitrag von Joachim Hösler "Zu Russlands Transformation, Geschichtspolitik und Imperialismus" kann auch separat und kostenfrei per E-Mail beim Verlag bestellt werden. /Lothar Geisler

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1 Brecht griff hier eines der frühestens Werke sozialistischer Literatur auf, die berühmte Ballade »The Mask of Anarchy« des englischen Dichters Percy Bysshe Shelley, an dessen Vermächtnis Jenny Farrell in dieser Ausgabe anlässlich seines 200. Geburtstages erinnert.