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250 Jahre USA - Mythos und Wirklichkeit
250 Jahre USA - Mythos und Wirklichkeit
Mit Beilage vom Marxistischen Ratschlag und Karl Liebknecht
EAN: 978-3-96170-097-4
Editorial250 Jahre USA: Das ist kein Jubiläum der Freiheit, sondern Anlass, einen der wirkmächtigstenpolitischen Mythen unserer Zeit aus linker Perspektive zu kritisieren. Währendder Spiegel in seiner Sonderausgabe »250 Jahre USA« das Land als Heldengeschichte vonDemokratie, Aufstieg und nationaler Größe feiert, geht es in dieser Ausgabe der MarxistischenBlätter um die verdrängte Bilanz: Kolonialismus, Sklaverei, Landraub, Klassenkriegund imperiale Expansion – also um das, was im Hochglanzformat höchstens als »Schattenseite« erscheint. Schon die Amerikanische Revolution war kein Freiheitsakt, sondern einbürgerlicher Umbruch, getragen von Kaufleuten, Pflanzern und kolonialen Eliten, die sichvon britischen Fesseln lösen wollten. Wo der Spiegel schweigt, sprechen unsere Beiträge vonder Klassenspaltung dieser »Freiheit« und den damit verbundenen Kämpfen.Die Geschichte bestätigt dieses Muster. Auf koloniale Landnahme folgten Verfassung,Westexpansion und Industrialisierung; aus der Republik der Sklavenhalter und Kaufleutewurde die führende kapitalistische und später imperialistische Macht. Die Monroe-Doktrintrat früh im Gewand antikolonialer Rhetorik auf, formulierte aber den hegemonialenAnspruch Washingtons auf die westliche Hemisphäre – ein roter Faden, den das Spiegel-Narrativ zur »Ordnungsmacht« verklärt, obwohl er militärische Drohung und ökonomischeUnterwerfung bezeichnet.Aus Sicht der Arbeiterbewegung ist US-Geschichte die Geschichte sozialer Kämpfe. Diegroßen Arbeitskämpfe des 19. Jahrhunderts, der Achtstundentag von 1886, Haymarket, diedurch Betriebsbesetzungen und Massenstreiks gewonnenen Errungenschaften, die sich institutionalisiertniederschlugen im New Deal, standen gegen eine Bourgeoisie, die die Lohnabhängigenmit Gewalt organisierten, mit Gerichten und Hetze antwortete. Wenn der Spiegeldies als »Modernisierung« erzählt, verschleiert er, dass Klassenmacht gebrochen wurde.Die aktuelle, begrenzte Revitalisierung gewerkschaftlicher Kämpfe zeigt, dass selbst im Herzendes Kapitals neue Formen betrieblicher Selbstorganisation, Basisarbeit und multiethnischerKlassenpolitik entstehen. In den Beiträgen wird herausgearbeitet, dass die US-Ordnungzunehmend autoritäre Züge trägt. Die USA erscheinen als Beispiel eines »soften Bonapartismus«: eine präsidiale Macht, plebiszitär legitimiert und zugleich mit weitreichenden Exekutiv-und Kriegsbefugnissen ausgestattet, um innere Konflikte repressiv zu bearbeiten und nachaußen imperial zu überdecken; die Ausweitung präsidentieller Immunität durch den SupremeCourt passt in dieses Muster – im Spiegel allenfalls als »Krise der Institutionen« vermerkt.Besonders außenpolitisch ist die Kluft zwischen Mythos und Realität offensichtlich. Im20. Jahrhundert bis heute verbanden die USA ihren globalen Führungsanspruch mit Interventionen,Kriegen und antikommunistischen Ordnungsprojekten, einschließlich der Förderungfaschistischer Kräfte überall in der Welt. Das Erstarken multipolarer Kraftzentren zeigtden relativen Niedergang einer Macht, die ihren Anspruch umso aggressiver behauptet, jebrüchiger ihre Basis wird. Gegen die spiegelgerechte Feier des »amerikanischen Jahrhunderts« setzt diese Ausgabe ausgewählte Beiträge zur wirklichen Geschichte: Ausbeutung undWiderstand, Gegenrevolution und Emanzipation. Die Beiträge dieser Ausgabe führen aus,dass die Zukunft nicht im Mythos USA liegt, sondern in den sozialen Bewegungen jener, diedort wie überall für eine menschenwürdige Gesellschaft kämpfen. 

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